Die Blicke von außen nach innen:
Bei magerem Wachstum und verschärftem Konkurrenzdruck ist in deutschen Unternehmen der Umbau angesagt. Unter den Schlagworten „Lean Management“, „Reenginieering“, „Shareholder Value“ und „Downsizing“ verschwinden ganze Managementebenen. Was zu wenig Gewinn bringt, wird geschlossen oder ausgelagert. Die Belegschaften schrumpfen, und die Angst um den Arbeitsplatz setzt Arbeitern ebenso zu wie gut verdienenden Führungskräften.
Einst waren Veränderungen in langen Abständen auftauchende kurze Einschnitte, denen lange Perioden der Stabilität und Kontinuität folgten. Das Zeitalter der Mechanik mit seinen personalintensiven Fertigungsmethoden in Großfabriken geht zu Ende. Heute ist das Leben zum dauerhaft unstabilen, turbulenten Alltag geworden. Die Innovation verdrängt die Verbesserung. Aus der produktiven Arbeit ist der Standort Deutschland nicht mehr zu finanzieren. Kurzum, es herrscht Krise und Wandel ist angesagt.
Wenn es im Unternehmen nicht mehr rund läuft, besonders dann, wenn „die Zahlen nicht mehr stimmen“, werden gerne Berater hinzugezogen. Die sollen dann richten, was sich im Unternehmen an Unzulänglichkeiten meist über viele Jahre eingeschlichen hat oder was die Führungsetage über lange Jahre versäumt oder sauer gefahren hat.
Berater wissen glücklicherweise, dass Krisen nicht nur unvermeidbar, sondern oftmals auch notwendig sind, bieten sie doch die Gelegenheit, lang aufgeschobene, längst fällige Veränderungen in Angriff zu nehmen, sich als Unternehmen neu aufzustellen, Kosten zu reduzieren und neue Märkte strategisch anzugehen. „Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ (Max Frisch)
Externe Berater sind wichtig, wenn es darum geht, Unternehmen Informationen aus der Außenperspektive zu geben. Die, die im Untenehmen arbeiten, sind eben nicht nur Teil des Systems, sondern oftmals auch Teil des Problems. Unternehmen können deshalb oftmals die Ursache von Defiziten selbst nicht erkennen (Stichwort „Betriebsblindheit“), weil Vorgänge zu eingespielt sind und Missstände als „normal“ hingenommen und automatisch „ausgebügelt“ werden.
Der externe Berater hat den entscheidenden Vorteil, dass er unbefangen, nicht Teil des Systems ist. Gleichzeitig ist für den Berater aber ein sich Einlassen auf die Welt des Kunden unabdingbar. Für diese scheinbar widersprüchliche Anforderung muss der Berater über die Fähigkeit zum “distanzierten Beteiligtsein” verfügen.
Nun die enttäuschende Nachricht: Verändern kann ein Berater nichts. Das können nur die Betroffenen selber. Menschen wissen meist um eine Lösung. Sie muss nur freigelegt werden. Und dann braucht es Tatkraft, Zielstrebigkeit, Mut und Zeit, das als richtig und sinnvoll Erkannte auch umzusetzen. Diesen Prozess kann ein Berater begleiten, im Wesentlichen dadurch, dass er Hilfe zur Selbsthilfe leistet.
Es ist wie beim Fußball: Berater und Trainer vermitteln Einsichten, Techniken und Fertigkeiten. Umsetzen und das Spiel gewinnen müssen jedoch die Spieler auf dem Feld. Darauf haben Berater und Trainer am Spielfeldrand nämlich wenig Einfluss.
Die Krise ist übrigens griechischen Ursprungs. Das griechische Wort krisis bezeichnet den Höhe- oder Wendepunkt einer gefährlichen Lage. Von da an kann es eigentlich nur noch besser werden.
