Jan
23
Streng verboten?
Statistisch sind besonders Männer empänglich für eine kreativen Umgang mit Verboten.
Es scheint, dass bei manchen ein Verbot gerade dazu verführt, genau das zu tun, was das Verbot verhindern möchte (“Voricht! Frisch gestrichen!”). Viele Studien wurden dazu angestellt. Eine neuere der Psychologen Kristin Laurin und Aaron Kay (Psychological Science online) belegt nun, dass für ein Verbot, das wie in Stein gemeißelt und unumstößlich erscheint, alsbald Rechtfertigungen bzw. sog. “Rationalisierungen” gesucht werden und es gar für legitim und wünschenswert gehalten wird. Besteht hingegen auch nur eine geringe Aussicht, dass ein Verbot revidiert werden könnte, zeigt der Mensch Widerstand, sog. “Reaktanz”.
Das klingt plausibel. Solange zB ein Regime als dauerhaft erlebt wird, rechtfertigen Bürger dieses eher. Doch wenn erster Widerstand erfolgreich war, steigert sich die Reaktanz bis hin zu Demonstrationen oder gar zur Revolutionen, wie wir in der jüngeren deutschen Geschichte oder aktuell in der arabischen Welt aktuell wahrnehmen können.
Dieses fast banal erscheinende Forschungsergebnis hat Konsequenzen auch für den Führungsalltag: Wer als Führungskraft etwas praktisch durchsetzen möchte, sollte sein Anliegen in aller Deutlichkeit und Unmissverständlichkeit klar machen und ggf. auch gleich mögliche Konsequenzen bei Nichtbefolgung schildern. Eigene Unsicherheiten oder Zögerlichkeiten werden sofort erkannt und führen meist zu Widerstand.
Konsequenz ist im Führungsalltag in vielen Situationen wichtig. Konsequent sein heißt, „Wenn-dann-Aussagen“ positiv wie negativ zu erfüllen. Konsequent sein heißt, keine Ausnahmen zu machen, denn Ausnahmen sind das Tor zur Gewohnheit. Wer also Konsequenzen ankündigt, muss bei Erfüllung der Tatbestände auch danach handeln – positiv wie negativ, auch wenn’s schwerfällt. Denn konsequent sein hat etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun.
Wer sich als Führungskraft hingegen in einer Sachfrage heute so und morgen anders verhält, muss sich nicht wundern, wenn die Mitarbeiter seinen Aussagen keine Bedeutung mehr beimessen. Man wird unglaubwürdig – und das hat wiederum Konsequenzen: Dann regieren die Affen den Zoo – und nicht der Direktor.