Okt
31
Du oder Sie?
„Du“ oder „Sie“, das ist im deutschen Sprachraum immer noch eine wichtige Frage.
Zur Zeit können wir in den Medien über den Dialog von Alt-Kanzler Helmut Schmidt und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück lesen, beim sich beide Herren zwar mit Vornamen anreden, aber dennoch beim “Sie” bleiben – und das unter “Genossen”!
Andere Nachbarländer haben es entweder einfacher, weil es entweder keine separate Form für die höfliche Anrede „Sie“ gibt (GB) – oder man sich längst für ein kollektives „Du“ entschieden hat (Skandinavien).
In Deutschland wirkt das „Duzen“ oft zu persönlich bzw. auch kumpelhaft. Das „Sie“ hält den anderen eher auf Distanz, was in der Tat manchmal auch hilfreich sein kann.
Die Frage nach der richtigen Anrede in deutschenUnternehmen ist leicht zu beantworten: Neue Kollegen sollten alle anderen solange „siezen“, bis ihnen das “Du” angeboten wird.
Viel hängt dabei allerdings auch von der jeweiligen Unternehmenskultur (bei IKEA „duzen“ sich grundsätzlich alle) oder den Gepflogenheiten innerhalb einer Abteilung ab.
Als generelle Regel gilt ansonsten, dass der jeweils hierarchisch Höhere (der Chef, die Dame, der Ältere, der Kunde) über das „Du“ oder „Sie“ entscheidet bzw. das „Du“ anbietet. Das vom Chef angebotene „Du“ abzulehnen, ist nicht empfehlenswert.
Auszubildende werden oft noch mit „Du“ angesprochen. Manchmal geschieht das auch mit „Sie“ und Vorname: „Torsten, können Sie das bitte mal kopieren?“.
Kinder verwenden manchmal die Kombination von „Du“ und Nachname: „Du, Herr Harthus, kannst Du mir mal den Kuli geben?“
Unter Golfspielern gibt es das „Tages-Du“.
Eine Zwischenform ist das „Ihr“ bzw. „Euch“, wo die „Du-Pluralform“ benutzt wird, meist als Anzeichen für ein sich anbahnendes „Du.“
Und dann gibt es eben noch das sog. „Hamburger-Sie“, wie es Helmut Schmidt pflegt: „Peer, da haben Sie recht!“
Die Medien meinen allerdings beobachtet zu haben, dass es einen Unterschied macht, ob Helmut zu Peer “Sie” sagt oder Peer zu Helmut und meinen, dies sei aus dem Munde von Helmut Schmidt ein „Domestiken-Sie“: „Gerda, putzen Sie heute bitte die Fenster im Wintergarten.“ Einst lautete das: „Putze Sie heute bitte die Fenster im Wintergarten!“
Nun, auch in Großbritannien bedeutet die Verwendung des ”you” noch lange keine Klassenlosigkeit. Entscheidend ist, was im Zusammenhang mit dem “you” sonst noch folgt, vielleicht ein “Sir”? Oder ein “Your Royal Highness”?