Die Entdeckung der Zufriedenheit

Schlechte Führung und innere Kündigung ergänzen sich aufs Harmonischste.

Das “Fraunhofer Institut” und der “Arbeitskreis Wissensbilanz” haben kürzlich in einer Studie einmal mehr wieder bestätigt, dass das intellektuelle Kapital der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen mittlerweile entscheidender für den Unternehmenserfolg ist als materielle Ressourcen wie Rohstoffe oder Maschinen. Motivierte und kompetente Mitarbeiter sind wettbewerbsentscheidend, was wir von “Heidtmann & Kollegen” seit Jahren immer wieder gebetsmühlenhaft “predigen”.

Doch die Realität sieht weiterhin anders aus. Die “Praktiker” betrachten Mitarbeiter nach wie vor als  “Kostenfaktor” (Stichwort: “PersonalKOSTEN”), führen miserabel nach tradierter Gutsherrenart und pflegen die Ansicht, Faktoren wie Zufriedenheit und Motivation seien schlicht “Psychoquatsch”.

  • Da bekommt ein Geschäftsführer ohne jede Vorwarnung vom Hauptgesellschafter die Kündigung auf den Tisch gelegt, Ablösevertrag für drei Monate gleich mit dabei, weil man nicht zufrieden mit ihm sei – keine Diskussion, Fakten schaffen
  • Da wird einer langjährigen Mitarbeiterin von ihrer Führungskraft coram publico Unterschlagung unterstellt, weil ihr MDE abgestürzt war und eine Zustellung fälschlicherweise damit als “nicht zugestellt” protokolliert wurde
  • Da kürzt ein Geschäftsführer in Zeiten der Hochkonjunktur einseitig den Jahresurlaub, verlängert die Wochenarbeitszeit und lässt verlauten, dass wer damit nicht einverstanden sei, ja gehen könne, es gebe genug andere, die den Job gerne machen würden

Alle Studien belegen seit Jahren immer wieder das Gleiche

Die am häufigsten zitierte Studie des Beratungsunternehmens Gallup kommt nun schon im zehnten Jahr in Folge zu dem immer gleichen Ergebnis: „In vielen Unternehmen ignorieren Führungskräfte nach wie vor die zentralen Bedürfnisse und Erwartungen ihrer Mitarbeiter teilweise oder völlig.“ Nur 13 Prozent der Befragten sind motiviert bei der Sache, 21 Prozent so frustriert, dass sie sich destruktiv verhalten und die restlichen zwei Drittel schieben Dienst nach Vorschrift.”

Verwunderlich sind solche Befunde nicht, wenn man eine Studie der Hochschule Osnabrück zum “Stellenwert der Personalführung in deutschen Unternehmen” liest: „In vielen Unternehmen gleicht das Thema Führung noch zu häufig einem bloßen Lippenbekenntnis. Nicht selten wird schlechtes Führungsverhalten der oberen Führungskräfte sogar wissentlich von der Geschäftsleitung geduldet, sofern das operative Ergebnis stimmt.“

Auch die Personalberatung Hay Group kommt in ihrer jüngsten Studie zu den gleichen Erkenntnissen: Jeder zweite Arbeitnehmer empfindet das Klima am Arbeitsplatz als schlecht. Tatsächlich hat das Klima seit Beginn der Aufzeichnungen 1984 einen neuen Tiefststand erreicht – das ergab jedenfalls die jüngste Untersuchung des Instituts für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen. Kein Wunder, hat doch der Druck auf Arbeitnehmer in Deutschland kontinuierlich zugenommen, wie Untersuchungen der Krankenkassen seit Jahren belegen.

Der Kampf um Talente hat erst begonnen

Die psychologische und philosophische Dimension von Leben, Arbeiten und Führung wird weiterhin vernachlässigt. Der demographische Wandel dürfte jedoch Veränderungen erzwingen. Spätestens, wenn Unternehmen massiv um Talente kämpfen müssen, steht ein neues Führungsparadigma an. Nur durch eine partnerschaftliche Unternehmenskultur und ethikorientierte Führung können Kreativität, Motivation und Innovation entstehen. Bereits vor 30 Jahren schrieb der Management-”Guru” Peter F. Drucker:

„Sicher ist jedoch, dass die wachsende Bedeutung des Wissensarbeiters und seiner Produktivität als zentrales Problem innerhalb der nächsten Jahrzehnte die Struktur und die Natur des ökonomischen Systems tiefgreifend verändern wird.“

Vielleicht werden kommende Generationen auf die Verschleuderung menschlicher Ressourcen durch schlechte Führung ebenso verständnislos zurückblicken, wie wir heute auf die frühkapitalistische Ausbeutung.

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