Aug
15
“Der Kunde will nur billig!” – Wirklich?
Natürlich hätte man wissen können, dass ein Baumarkt keinesfalls “20% auf alles” (außer auf Tiernahrung) als Nachlass geben kann – die Umsatzrendite dieser Branche liegt bei etwa 1%. Und selbstredend ist die aggressive “Geiz- ist geil”-Kampagne den meisten Bundesbürgern so gewaltig auf den Geist gegangen, dass viele allein schon deshalb nicht in diesen Markt gingen.
Bekannt war durch die Medien auch, dass Unternehmen, die Kunden mit “Ich bin doch nicht blöd”-Lockangeboten nicht deshalb in ihre Märkte holen wollten, um ihnen die beworbenen Produkte anzudienen, sondern sie vielmehr durch in dieser Hinsicht geschultes Personal zu veranlassen, ganz andere Waren in ihre Einkaufswagen zu legen, solche nämlich, die keinesfalls preiswert waren.
Die Schuldfrage ist nicht so einfach zu beantworten. Der liberalisierte Markt erlaubte solche – teilweise auch vergleichenden – Werbeaussagen und Verkaufsstrategien. Der parallel dazu durch verblödende Medien und kaputtsparende Bildungspolitik zunehmend ignorante Kunde war abnehmend nicht mehr in der Lage, solche Marktingstrategien zu durchschauen.
Dennoch haben die “Schnäppchen”-Jahre manchen Fachhändler zu Aufgabe gezwungen. Sie erfahren jetzt eine späte Genugtuung, wenn sie nun nachlesen können, dass Unternehmen wie “MediaMarkt”, “Saturn Hansa” oder “Praktiker” in der Krise sind. Das war abzusehen – doch es hilft ihnen nicht mehr.
Was zurückbleibt, ist eine irritierte Klientel nebst verbrannten Einzelhandelslandschaften, in der das Vertrauen auf beiden Seiten verloren gegangen ist. Dabei ist Vertrauen einer der wichtigsten Aspekte im Verkauf. Ohne Vertrauen in eine Marke, ein Unternehmen, ein Produkt, einen Verkäufer geht wenig.
Und bei Lichte betrachtet will kein Mensch “billig” – wir alle wollen “preis-werte” Produkte. Faktisch spricht nicht einmal etwas gegen ein “teures” Produkt, denn wir wissen aus Erfahrung, dass teure Produkte als Gegenwert idR eine höhere Qualität besitzen. Wer sich den Slogan “Der billige Baumarkt” ausgedacht hat, gehört gefeuert.
Billig – nein, nicht mal geschenkt möchte ich ein billiges Produkt!