Bauchladen Mittelstand?

Die russische Philosophin Ayn Rand schreibt: „Es gibt nur zwei Sünden: Zu wünschen, ohne zu handeln und zu handeln, ohne ein Ziel zu haben.“

Foto: khh

Es stimmt tatsächlich, viele kleine und mittelständische Unternehmen haben keine klaren Ziele. Man lebt sozusagen “von der Hand in den Mund”: Manche – und das erstaunt dann die Berater oder treiben diese gar zum Wahnsinn – sind dabei sogar recht erfolgreich. Denn aus Beratersicht bringt nur die Verfolgung eines Ziels Ordnung in unser Bewusstsein, getreu dem Goetheschen Motto: „Sobald der Geist auf ein Ziel gerichtet ist, kommt ihm vieles entgegen.“

Denn die besserwissenden Berater haben nach Meinung vieler Mittelständler keine Ahnung. Strategie, Vision und Planung sind gern gehörte und oft sogar selbst formulierte Worte; und verhallen dennoch schon beim plötzlichen Sprung in die Produktion oder ins Lager, wo „es gerade brennt“. Mit ordentlich dickem Fell ausgestattet empfindet der Mittelständler die wohl formulierten Ratschläge nicht einmal als Schläge. Manchmal warm oder auch kalt lächelnd pickt er sich aus dem ihm dargebotenen Menü mal dies, mal das. Hier eine neue Internetseite, da ein Training für die Mitarbeiter, demnächst auch ein neuer Katalog im aktuellen Design.

 

Beraterschreck

Sie sind der Schrecken aller Berater. Von Planung und systematischer Strategie allzu oft keine Spur. Sie ernten bei einigen erfolgreichen mittelständischen Kunden nur verständnislose Blicke geerntet, gepaart mit einem mitleidigen Lächeln, wenn Sie ihre Besorgnis über fehlende (strategische) Ziele ausdrücken. Man hält ihnen oft den Satz entgegen, Planung ersetze den Zufall doch nur durch den Irrtum! Und außerdem würde mit Planung, besonders Umsatzplanung nur kostbare Zeit verschwendet. Zum einen sei Umsatz eben nicht planbar, zu viele unkalkulierbare Größen könnten diesen beeinflussen. Zum anderen würde das Führen von Umsatzstatistiken und bis auf den einzelnen AD hinunter kaskadierte Forecasts viel zu viel Aufwand (Kontrolle) bedeuten. Man versuche stattdessen einfach die Umsätze des Vorjahres zu erreichen und ggf. sogar ein wenig zu übertreffen, damit sei man durchaus zufrieden.

Die Dominanz des Weges über das Ziel

Man sollte sich als Berater mittelständischer Unternehmen also tunlichst mit dem Gedanken anfreunden, dass manche offenbar ganz erfolgreich „konfuzianisch“ handeln nach dem Motto: “Der Weg entsteht beim Gehen.” Sie sind damit sogar oft die treibende Kraft der deutschen Wirtschaft. Sie sind die Innovatoren schlechthin. Sie sind sogenannte „Hidden Champions“, oftmals Handwerker. oft in Familienbesitz, oft dann besonders erfolgreich. Ihre privaten Geschichten reichen fast nie in die überregionale Klatschpresse. Doch sie sind auch die Gönner, die lokalen oder regionalen Sponsoren. Sie sind in den Kommunen oft treibende Kräfte, ziehen Städte und Gemeinden mit in ihrem wirtschaftlichen Sog. Meist aufwärts. Sie sind viele.

Das vertrauliche „Du“ durch alle Hierarchien ist oft gleichzeitig auch der einfache Zugang vom Boss zu schnellen Änderungen: „Du bist gefeuert“, lässt sich viel schneller aussprechen, als ein umständliches Gespräch im Besprechungsraum. Wenn es einen gibt.

Da fällt einem schon wieder Goethe ein: “Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum.“ Und manches Unternehmen verdankt offenbar seinen Erfolg Ratschlägen, die es nicht befolgt hat.

Wissenschaftliche Bauchentscheidungen

Bauchentscheidungen sind offenbar nach wissenschaftlichen Untersuchungen keinen Deut schlechter als die des Verstandes, dafür aber zig Mal schneller. Der Bremer Neurobiologe Gerhard Roth ermittelte, dass das Unterbewusste einige Millionen Informationen pro Sekunde verarbeiten kann, das Bewusstsein jedoch nur 0,1 Prozent davon. Ist Bauch also schneller als Hirn?

Wer sich in seinem Fach gut auskennt, der traue seinem Bauch; wer Laie ist, mache lieber seine Hausaufgaben und benutze seinen Kopf! Je komplexer das Problem, desto klarer sieht das Unterbewusste, während der Verstand vernebelt wird.

Dazu ein kleiner Selbstversuch zum Schluss: Welche Stadt hat mehr Einwohner – San Antonio oder San Diego?
Richtig: San Diego. Ihr Unterbewusstsein hat Sie richtig beraten, es sagte: Nimm das Bekanntere!

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