Mrz
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Reizüberflutung – der moderne “Homo simultans”
Zunehmend leiden wir an Reizüberflutung und immer mehr Menschen erleben das Gefühl zunehmender Überforderung.
Je mehr Reize unser Gehirn verarbeiten muss, desto schwerer fällt es ihm, sich zu konzentrieren. Das ist durchaus vergleichbar mit der Prozessorleistung eines PC: Je mehr “tasks” er parallel bearbeiten muss, desto langsamer wird er bei der Erledigung der einzelnen Aufgabe.
Anders als Jahrtausende zuvor wird unser Gehirn immer weniger fürs Dranbleiben an einer Aufgabe genutzt, sondern wir springen ständig zwischen verschiedenen Anforderungen hin und her. Die Befürchtung mancher Forscher besteht darin, dass die Gehirne der jetzt heranwachsende Generation anders “verdrahtet” werden.
Die monochronen Zeiten sind vorbei, wo man eins nach dem anderen erledigen konnte. Heute leben und arbeiten wir immer mehr polychron (gleichzeitig). Der Homo sapiens wird zum Homo simultans, zum Simultanten (nicht zu verwechseln mit dem “Simulanten”). Auf Denglisch heißt das „Multitasking“: Der moderne, viel beschäftigte Mensch versucht, mehrere anspruchsvolle Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, zum Beispiel zu telefonieren und dabei Briefe zu schreiben.
Wir fahren Auto UND telefonieren. Wir arbeiten UND essen. Wir joggen UND diktieren. Pro Stunde fangen Mitarbeiter mehr als 30 verschiedene Tätigkeiten an führen mehr als die Hälfte nicht zu Ende. Man spricht von „kognitiven Kosten“. Entsprechend verläuft ihre Konzentrationskurve. Sie gleicht einem Sägeblatt bzw. Haifischgebiss. In solch fragmentierten Arbeitsabläufen kann niemand effektiv arbeiten.
“Zeitverdichtung durch Vergleichzeitigung” nennt Zeitexperte Karlheinz Geißler dies. Doch bereits Karl Marx hatte diesen Trend erkannt und schrieb: „Neben das Maß der Arbeitszeit als „ausgedehnte Größe“ tritt jetzt das Maß ihres Verdichtungsgrades.“ Auch der Volksmund weiß seit Jahrhunderten: “Wer viele Hasen fangen will, fängt keinen!”
Denn das Gehirn speichert ab, was es über seine fünf Sinne aufnimmt – daraus entsteht das, was wir schlechthin “denken” nennen. Doch dafür braucht es Zeit. Wird das Gehirn durch ständig neu auftauchende Reize bei dieser Tätigkeit unterbrochen (Stichwort “Instant Messaging”), verkommt das angestrebte Resultat. Untersuchungen bestätigen dies: Multitasker brauchten 50% mehr Zeit als die Strukturierten, die erst das eine und dann das andere tun. Es ist entscheidend, sich einer Aufgabe ganz widmen zu können. Es geht um Zeitkompetenz.
Das Perfide ist dabei, dass jeder “Klick” einen schnelleren “Kick” schafft. Was also sofort Erfolgserlebnisse vermittelt, landet eher auf der “Festplatte” als französische Grammatik. Die Gefahr: Durch ständig zunehmende Ablenkung kann Suchtverhalten entstehen. Denn das Gehirn gewöhnt sich schnell und braucht daher immer höhere Dosen. Am Ende sind wir alle wahnsinnig, Stichwort “burn-out”, weil wir unser Gehirn hoffnungslos überfordern.
Was hilft? Heidtmann & Kollegen bieten in ihren Seminaren “Selbstmanagement – Herr der Dinge” geeignete Strategien und Arbeitstechniken an, um in dieser Lage wieder Herr zu werden. Gerne informieren wir Sie auf Wunsch ausführlich.