Dez
25
Geschenke – geben und nehmen
Auch heute gilt, dass kleine Geschenke die Freundschaft erhalten.
Es gibt eine wissenschaftliche These, die besagt, dass der Mensch erst durch das Schenken zum Menschen wurde, dass Gesellschaft und Zivilisation ohne den Akt des Schenkens nicht zustande gekommen wären. Das scheint konträr zur modernen Gesellschaft zu sein, in der niemand mehr etwas zu verschenken hat und alles auf die schnelle Akkumulation ausschließlich zum eigenen Nutzen aus ist.
Der uralte Geschenkekult ist auch heute noch bedeutsam, denn er hält die Gesellschaft im innersten Kern zusammen. Geschenke stiften Verbindlichkeit und Vertrauen zwischen denen, die fürs Überleben aufeinander angewiesen sind: jung und alt, Mann und Frau, stark und schwach, gesund und krank. So gab es zB bei den Indianern das Potlach-Prinzip: Es ist unter den indianischen Gesellschaften in den Küstenregionen des nordwestlichen Amerika als das „Fest des Schenkens“ bekannt.
Geben und Nehmen
Das Geschenk war es, das mit dem Ritual des Gebens und Nehmens das Hauen und Stechen, das Kämpfen und Töten also, ablöste. An die Stelle des Opfers trat die Gabe. Man demonstriert dem Beschenkten damit auch seine (wirtschaftliche) Leistungskraft.
Die Ökonomie des Schenkens war nach dem französischen Soziologen Marcel Mauss der „Fels“ auf dem die frühen Gesellschaften ruhten. Feindschaft und Gewalt konnten durch einen scheinbar selbstlosen aber dennoch eigennützigen Austausch von Gaben aufgehoben werden, wie er in seinem “Essai sur le don” (zuerst 1923/24; dt. unter dem Titel „Die Gabe“) darstellt.
Im Mittelpunkt seiner Forschung über das Schenken steht auch die Frage, warum man Gaben erwidern muss: Beim Geben gibt man einen Teil von sich und im Nehmen der Gabe macht man eine Fremderfahrung des Anderen. Dass Schenken den Schenkenden unter einen Zwang stellt und beim Nehmenden eine Schuld erzeugt, darauf deutet noch heute das englische Wort gift hin. Das Geschenk erzwingt die Gegengabe, denn sonst beschämt die Gabe den Beschenkten und macht ihn damit zum Schuldner wider Willen. Das nennt man auch Reziprozität.
Weihnachtsgeschenke
Und deshalb schenkt man wohl auch zu Weihnachten. Man schenkt, obwohl man das Geld eigentlich viel (eigen-) nützlicher verwenden könnte. Doch man versichert sich damit der Sympathie des Anderen. Do ut des - ich gebe, damit mir gegeben wird. Dieser Begriff aus der römischen Antike bezeichnete ursprünglich das Verhältnis der Römer zu ihren Göttern: Sie opferten und huldigten den Göttern, weil sie eine Gegengabe bzw. einen Gegendienst dafür erwarteten.
In diesem Sinne hoffe ich, dass Sie gestern reich beschenkt worden sind!
