Sep
15
Über die Typenlehre
Der Versuch, Menschen in Typenklassen zu unterteilen, ist so alt wie die Menschheit.
Schon Hippokrates unterschied um 460 Jahre vor unserer Zeitrechnung vier Grundtemperamente: Choleriker, Melancholiker, Phlegmatiker, Sanguiniker.
C. G. Jung hat knapp 2500 Jahre später im Jahre 1921 auch die Persönlichkeitstypen untersucht und in Denk-, Fühl-, Intuitions- und Empfindungstyp unterschieden.
Andere Autoren wie Alessandra/O’Connor kommen zu ähnlichen Unterscheidungen: Direktor, Unterhalter, Beziehungsmensch, Denker.
STRUCTOGRAMM (Biostrukturanalyse) unterscheidet die Menschheit (insbesondere die Subspezies Kunde) in grün, blau und rot.
Auch der Versuch, mittels Sternzeichen die gesamte Menschheit in zwölf Kategorien einteilen zu wollen, ist ein ähnliches Ansinnen.
Jüngst durfte ich ein Buch des Autors Uwe Böschemeyer rezensieren: “Du bist viel mehr - Wie wir werden, was wir sein könnten.”
Macht über andere
Ziel des Autors ist es angeblich, aufzuzeigen, wie der Leser – “in den Grenzen seiner typologischen Möglichkeiten – seine Persönlichkeit weiterentwickeln und zur Einzigartigkeit gelangen kann.” Der studierte Theologe und promovierte Psychologe und Inhaber des “Hamburger Instituts für Existenzanalyse” (!), versucht es nun seinerseits mit neun Typen: Reformer, Helfer, Erfolgsmensch, Romantiker, Beobachter, Loyaler, Glückssucher, Starker, Ursprünglicher.
Neugierig geworden durch die Verlagsinformation hatte ich hohe Erwartungen an diesen Titel. Doch letztlich bietet dieses Buch nichts mehr und nichts weniger als alle bisherigen Versuche, die Menschheit zu klassifizieren. “Getretner Quark wird breit, nicht stark” (Goethe).
Doch ganz gleichgültig, wie viele Typen wir auch bemühen, jeder Versuch, die Menschheit in (Verhaltens-) Kategorien einteilen zu wollen, muss zwangsläufig fehlschlagen. Wir alle sind “Individuen” (“Unteilbare”) und niemand wird ernsthaft begeistert davon sein, dass er bzw. sie als Typ ganz einfach zu analysieren und hernach zu behandeln sei.
Solche Typologien unterliegen der zwanghaften Vorstellung, die Einschätzung von Personen schneller zu machen – sozusagen ein “Quick-Scan” der Persönlichkeit. Doch alles, was “fast” oder “quick” ist, ist selten gut. Was es braucht im Kontakt mit anderen Menschen, ist Zeit.
Erfolgreiche Kommunikation
Wie erfolgreich unsere Kommunikation mit anderen ist, hängt davon einzig ab, wie gut es uns gelingt, den jeweiligen Menschen verstehen, mit dem wir jetzt gerade zu tun haben. Das wiederum hängt ab von unserem Interesse am Anderen, unserer Sensibilität (Modewort “Empathie“), unserer Ausbildung, unserer Tagesform usw.
Bei Heidtmann & Kollegen werden keine “Patentrezepte” oder Techniken (wie zB NLP) gelehrt, mit denen es durchaus gelingen kann, andere Menschen zu manipulieren. Wir streben stattdessen eine authentische und faire Kommunikation an. Dabei orientieren wir uns, wenn überhaupt an einer Theorie, dann am ehestens an der des einst von Jürgen Habermas formulierten “kritischen Diskurses” und dem des “kommunikativen Handelns”.