Wer oder was ist eine “gute Führungskraft”?

Neulich sprach ich mit einem leitenden Mitarbeiter über die Führungskräfte seines Unternehmens. Wir waren uns im Wesentlichen einig in der Einschätzung von Personen und deren Stärken.

Ein guter Anlass einmal generell darüber nachzudenken, was denn heute eine gute Führungskraft ausmacht – und was alles sie daran hindern kann, eine zu sein oder zu werden.

In Unternehmen herrscht heute nach unserer Beobachtung viel Sachverstand und (zu) wenig Menschenverstand. Deutsche Unternehmensführer haben zu viel auf Fachwissen und zu wenig ”soziale Kompetenz” gesetzt. Das ist vermutlich eine historische Kontinuitätsfrage, denn das Führen nach Gutsherrenart ist typisch deutsch.

Viele Krisen im Unternehmen rühren daher auch gar nicht vom Markt her. Sie sind oftmals hausgemacht. Die dadurch verloren­gehende Energie ist immens. Doch welches Unternehmen erstellt am Ende des Ge­schäftsjahres eine „Stimmungsbilanz“? Statt dessen wirken soziale Befindlichkeiten wie schleichendes Gift und zerstören das Betriebsklima und die Motivation der Mitarbeiter. Wir erleben es als Berater und Trainer ständig.

Vergangenes prägt

Das Verhalten eines Menschen und mithin einer Führungskraft wird geprägt durch eigene Erfahrungen in der Vergangenheit. Bestätigungen, die man erhielt, Verletzungen, die man erlitt, Werte, für die man sich entschied, gute Führungskräfte, die man selber erleben durfte. All dies wirkt sich auf unsere Handlungen und unser heutiges Verhalten gegenüber anderen – meist unbewusst – aus.

Menschen suchen immer wieder Situationen, die ihnen entsprechen, in denen sie schon früher Erfolg hatten oder Misserfolg vermeiden konnten. Andere Menschen suchen nach Situationen, in denen sie über ihre Grenzen hinausgehen können oder innerhalb derer sie es komfortabel haben.

Besserwisser und andere Hindernisse

Schwer hat es immer derjenige, der aus der eigenen Mannschaft heraus zur Führungskraft aufgestiegen ist, besonders dann, wenn er auch noch jünger als die von ihm zu Führenden und / oder er noch nicht solange beim Unternehmen ist, wie diese.

Auch ist man nicht unbedingt gleichzeitig eine gute Führungskraft, weil man zum Beispiel ein guter Außendienstmitarbeiter war.

Chefs, die den Anspruch haben, selber immer alles zu wissen bzw. besser wissen zu müssen, dürfen sich nicht wundern, wenn diese Besserwisserei dazu führt, dass Mitarbeiter nach einer Weile ihre Ideen für sich behalten.

Die heutigen Chefs sind oftmals tüchtige Beamte eines konventionellen Erfolgs. Risikobereit­schaft, Selbstkritik oder der Mut, neue Wege zu gehen sind nichtgefordert. Prof. Lutz vonRosenstiel beschreibt die Wirtschaftsführer als „glatt, uniform und konturlos“. Die deutschen Konzerne erzeugen Leistungsträger, keine Entrepreneure.

Die Führungskraft als Dienstleister

Eine wirklich gute Führungskraft baut Beziehungen auf und vermittelt Engagement. Sie ist greifbar und echt. Sie versucht, jeden einzelnen Mitarbeiter zu erreichen. Mitarbeiter haben ein Gespür dafür, welches Verhalten echt oder nur gespielt ist, welches zu einer Person passt oder nicht. Die ideale Führungskraft ist ein authentischer, freundlicher, mitfühlender und umsorgender Geist.

Nie aber darf der Manager vergessen, dass seine Arbeit ein Auftrag ist: Führen heißt dienen!“(Reinhard Mohn, Bertelsmann AG). Bereits Friedrich II. sagte einst: „Ich bin der oberste Diener des Staates!“. Und Dr. Angelika Hamann, Deutsche Trainer Akademie, schrieb einst:  „Die moderne Führungskraft ist Dienstleister für seine Mitarbeiter.“

Gute Führung schafft ein Umfeld, in dem alle Beziehungen sich verstärken und ergänzen.  Führen kann auch nur, wer selber in guter innerer und äußerer Verfassung ist. Führungsqualitäten lassen sich nur bedingt trainieren, schon gar nicht an einemeinzigen Wochenendseminar. 

Heidtmann & Partner begleiten Führungskräfte auf ihrem Weg zur Führungskraft – manchmal über viele Jahre.

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