Notizzettel

Neulich zeigten mir einige Seminarteilnehmer ihren frisch entworfenen Telefonnotizzettel und wollten wissen, was ich davon hielte.

Ich sagte Ihnen, dass ich den “Witz” zwar verstanden habe, die Idee aber trotzdem nicht gut fände. Ratlose Gesichter. Hat der Trainer keinen Humor? Doch hat er. Ich erklärte den (erwachsenen) Teilnehmern, dass  ich Mühe hätte mit der Gleichsetzung “Kunde = A….”. Immerhin zahle dieser A*.* ihr Gehalt.

“Sprache ist Gesinnung”, schrieb Kurt Tucholsky zurecht. Wer sich lange genug den Kunden als Feind und Störenfried vorstellt, erlebt diesen auch so – und wird ihn so behandeln. So gesehen sind auch Worte wie “Kundenfront” oder “Ich arbeite hier an der Front” (wenn es um die Bedienung von Kunden geht), mit Vorsicht zu genießen. Einer meiner Nachbarn, inzwischen Außendienstmitarbeiter im Ruhestand, sagte morgens immer bei seiner Abfahrt: “Ich gehe wieder auf Feindflug!”

Bereits vor vielen Jahren veröffentlichte Edgar Geffroy seinen Bestseller “Das einzige, was stört, ist der Kunde“ - ein natürlich sarkastisch gemeinter Titel (das ist der gleiche Autor, der einst auch die “Servicewüste Deutschland” postulierte).

Ein Kunde kann bei Lichte betrachtet doch gar nicht stören, denn alles, was ich besitze, hat er bezahlt. Sogar meinen letzten Urlaub. Der Kunde, das ist doch ein feiner Mensch!

Die Sprache, die ich verwende, ist immer auch ein Abbild meiner Weltsicht. Und die Arbeit an der Sprache ist die Arbeit an den Gedanken. Deshalb legen wir in unseren Kommunikationsseminaren wert auf die Betrachtung solcher Formulierungen wie: “Da müssen Sie später noch einmal anrufen.” Oder “Das geht aber nicht vor Ende der Woche!” Oder der Dauerbrenner “Das muss ich Ihnen bestellen.”

Schlagwörter: , , ,

Ähnliche Beiträge

Kommentieren