Bewahren oder wegwerfen?

Das eigene Büro verrät viel über die Motivation, Arbeitsweise und den Charakter seines Bewohners.

Die Indizien dafür nimmt jeder Besucher unbewusst und binnen Bruchteilen von Sekunden wahr, wenn er einen fremden Raum betritt. Die Art, wie wir unsere Umgebung gestalten, spiegelt unser Inneres wider.

Kennen Sie folgende Situation: Jedes Mal, wenn Sie in das Büro Ihres Kollegen kommen, packt Sie der Neid: Sein Schreibtisch ist stets aufgeräumt. Alle Akten und Briefe sind fein säuberlich in den Ablagen gestapelt. Und die Pinnwand über dem Schreibtisch wirkt stets so, als seien die Zettel mit der Wasserwaage aufgehängt worden.

Ganz anders ist es in Ihrem Büro. Ihr Schreibtisch gleicht einem Schlachtfeld. Meist sind Sie mit mehreren Jobs zugleich beschäftigt. Wichtige Infos müssen Sie immer wieder unter Papierbergen hervorkramen.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Wenn ja, dann zählen Sie vermutlich zu den Menschen, die beim Denken bevorzugt ihre rechte Gehirnhälfte benutzen. Das heißt, Sie denken weniger logisch abstrakt als assoziativ in Bildern.

Linkshirnler oder Rechtshirnler?

Der Schreibtisch ist ein Abbild des Gehirns. An einem aufgeräumten Tisch arbeitet ein geordneter Geist. Das klassische Selbstmanagement spricht – wie die meisten Managementtheorien – primär Menschen an, die bevorzugt linkshirnig denken; das heißt Personen, die die Welt eher nüchtern analytisch und logischen Regeln folgend betrachten. So sind auch die Grundregeln des klassischen Selbstmanagements formuliert. Zum Beispiel: “Definieren Sie Ihre Jahresziele und leiten Sie dann daraus Monats-, Wochen- und Tagesziele ab.”

Mit solchen Tipps für linkshirnige “Ordnungs-Fanatiker” können rechtshirnige “Chaoten” wenig anfangen. Daraus den Schluss zu ziehen, Selbstmanagement bringe Letzteren wenig, ist falsch. Dies ist ebenso verkehrt, wie sich der Illusion hinzugeben, dass Rechtshirnler je penible Planer werden.

Zum Wegwerfen gehört eine Entscheidung, Aufbewahren ist einfacher.

Gerne hebt der Mensch auf. Jeder Beschäftigte in Deutschland hat im Schnitt 27 Ordner, das macht ca. eine Milliarde Ordner insgesamt. Denn auf den Schreibtisch darf nur, was höchste Bedeutung hat. Alles andere wird abgelegt – oder entsorgt. Das Gesetz des Wiederfindens: Lagern Sie zusammen, was zusammengehört!

Fragen Sie sich bei jedem eingehenden Dokument:

  • Muss ich es aufbewahren (Vorschriften)?
  • Kann ich es weiterleiten (delegieren?)
  • Kann ich es terminieren (Wiedervorlage /Ablage)?
  • Kann ich es wegwerfen? (Komme ich im Notfall ohne aus?)

Basis einer gesunden Ordnung ist ein großer Papierkorb. (Tucholsky).

Sie finden nichts mehr? Machen Sie mal einen Schubladensturz:

  • kippen Sie alle Schubladen nacheinander auf den Boden
  • bringen Sie Ihre Schubladen wieder in die richtige Position
  • sortieren Sie alles Unnötige aus, trennen Sie sich von Mehrfachanschaffungen

Sind sind auf der Suche?

Legen Sie einen Aufräumtag ein. Ein durchschnittlich verwüsteter Arbeitsplatz ist innerhalb einer halben Stunde wieder gut organisiert.

Oder – auch wenn Sie nicht an Heilige glauben – Sie probieren einmal aus, ob es Ihnen beim Suchen nach verlegten Gegenständen hilft, den Heiligen Antonius, den Patron aller Suchenden, anzurufen. Das Phänomen wurde psychologisch erforscht und so erklärt, dass sich dadurch die Verkrampfung des Suchenden löst und ihn so finden lässt.

Schlagwörter: , , , , , , ,

Ähnliche Beiträge

Kommentieren